Letzter Event oder Zeichen der Hoffnung

Bestattungskultur im Umbruch
Über Jahrhunderte hinweg wurde unser geistiges und spirituelles Leben geprägt von der Ars moriendi, der Kunst des Sterbens und der ars bene vivendi der Kunst des rechten Lebens. Lebenskunst bedeutet immer auch Lebenskultur. Eine gute Bestattungskultur ist aber ohne gute Lebenskultur kaum denkbar.

Die Lebenskultur unserer heutigen Gesellschaft unterliegt aber einem dramatischen Wandel. Globalisierung – Ökonomisierung – Wertewandel. Gespiegelt wird dieser Wandel im Sinnspruch Geiz ist geil. Nicht berücksichtigt wird dabei aber die andere Seite der Medaille - die damit zusammenhängende Entwertung von Waren, Dienstleistungen aber letztlich auch von Menschen.

Uns so wie die Lebenskultur unserer Gesellschaft einem dramatischen Wandel unterliegt, so unterliegt auch unsere Bestattungs- und Trauerkultur, letzteres ist ja auch ein Stück Erinnerungskultur, und die Einstellung zu Sterben, Tod und Trauer dramatische Veränderungen.

Die Erdbestattung verliert zunehmend an Bedeutung eine Zunahme der Konfessionslosen und damit die Abnahme der kirchlichen Bestattungsformen ist feststellbar. In den letzten 50 Jahren ist die Zahl der Konfessionslosen in Deutschland von einer Million im Jahr 1950 auf 26,7 Millionen angestiegen. Die rasche Zunahme der Feuerbestattung entspricht dem Zeitgeist weil sie als modern, praktisch und besonders pflegeleicht gilt, zumindest was den Verbleib der Urne anbelangt eine dramatischen Zunahme der anonymen Bestattungen ist feststellbar dabei ist das verstreuen der Asche aus der Luft von einem Flugzeug oder Ballon nur eine neue Variante des diskreten Verschwindenlassens menschlicher Überreste. Alternative Bestattungsrituale nehmen zu, vom Aufbewahren der Asche in einem Amulett oder im Trauerschmuck über das Angebot sich aus seinem Angehörigen, nach dessen Kremierung aus dem entstandenen Kohlestaub, einen facettenreichen, lupenreinen Brillianten schleifen zu lassen, bis hin zum wahrscheinlich, immer noch nicht letztem Schrei, einige Gramm seiner Asche in einer kleinen Kapsel in die Weiten des Universums schießen zu lassen, auf das sie in Ewigkeit die Erde umkreise.

Die Schere der Bestattungsrituale reicht von der reinen Zweckbestattung – um nicht zu sagen Entsorgung, bis hin zur aufwändigen individuell gestalteten Beerdigung. Kein absenken des Sarges, keine Erde auf den Sarg! Lieber ein freundliches Abschlussbild zum Verinnerlichen. Ein Glas Champagner am Grab z. B. wenn die Verstorbene gerne Champagner trank. Die sanfte gefühlvolle Beerdigung wird als Gegensatz zum harten Sterben inszeniert.

Die aufgezeigten Entwicklungen, Tendenzen bis hin zu den Skurrilitäten erheben bisher noch keinen Anspruch auf allgemein Übliches. Die Extravaganzen kleinster Kreise unserer Gesellschaft, ist noch lange nicht Praxis weiter Bevölkerungsschichten. Dennoch ist klar, wir stehen vor einem tiefgreifenden Wandel unserer bisher bewahrten Werte. Die aufgezeigten Entwicklungen, Tendenzen bis hin zu den Skurrilitäten erheben bisher noch keinen Anspruch auf allgemein Übliches. Die Extravaganzen kleinster Kreise unserer Gesellschaft, ist noch lange nicht Praxis weiter Bevölkerungsschichten. Dennoch ist klar, wir stehen vor einem tiefgreifenden Wandel unserer bisher bewahrten Werte.

Und eines ist bereits heute Fakt: An die Stelle einer kirchlichen Bestattungsfeier tritt zunehmend eine weltliche Feier – aber immer öfter, in erschreckendem Ausmaß –ein moderner Dreiklang– der so klingt:

  • Feuerbestattung
  • ohne Feier
  • anonyme Urnenbestattung

Die Ausrichtung einer Bestattung nach ausschließlich monetären Gesichtspunkten greift immer weiter um sich. Die Geiz ist geil Mentalität hat unsere Gesellschaft auch bei der Bestattung eingeholt.
Doch der wahre Preis den unsere Gesellschaft letztlich für diese Rabattitis zahlen muss ist hoch, zu hoch wie mir scheint, weil das Wichtigste auf der Strecke bleibt – der Mensch.
Wo bleibt dabei die innere Achtung der Würde des Verstorbenen.
Wo bleibt dabei der liebende Abschied der Hinterbliebenen als Tor für einen Neubeginn
Lassen Sie mich bitte einige Schlagwörter aus der Diskussion die zwischen Pappsarg und Billigentsorgung entstanden sind, aufzählen:

Leichentourismus tritt an die Stelle einer würdigen Einzelüberführung in einem angemessenen Bestattungskraftwagen und Einäscherung im regionalen Lebensumfeld des Einzelnen

Sargdiscount tritt an die Stelle einer umfassenden kompetenten und menschlichen Unterstützung und Beratung im Trauerfall

Entsorgung anstelle einer der Würde des Menschen angemessenen Bestattungsform

Anonyme Bestattung anstelle einer Grabstätte als Ort des Gedenkens und der Erinnerung

Sterbe- und Trauerkultur ist immer auch ein Ausdruck eines Menschenbildes. Was schon der griechischen Staatsmannes Perikles vor zweitausendfünfhundert Jahren sagte „ Ein Volk wird so beurteilt, wie es seine Toten bestattet“ ist gleichermaßen heute wie damals gültig.

Eingedenk dieser Worte stelle ich die Frage:
Wollen wir es wirklich zulassen, dass

  • die Würde des Menschen am Kostenfaktor gemessen wird getreu dem Motto:
    Wie teuer sind uns unsere Toten?
  • dass der Mensch zur Ware verkommt und die
  • Bestattungsfeier zur bloßen Billigentsorgung wird.

Ich meine nein – schließlich geht es immer um Menschen.
Und ich sage das – und das ist mir wichtig, nicht aus Eigennutz oder Eigeninteresse.

Allzu häufig werden Bestatter in die Ecke derer gestellt, für die das Leid anderer nichts ist als die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich sage zu Unrecht, denn wer sich heute für den Beruf des Bestatters entschieden hat, hat eine der verantwortungsvollsten Aufgaben in unserem Gemeinwesen ergriffen. Er soll viele Berufe gleichzeitig ausüben: Trauerbegleiter, Berater, Verkäufer, Treuhänder des Abschiedprozesses, Eventmanager, Gesprächspartner und Mitgestalter einer Kultur.

Neben dem täglichen Umgang mit Toten, sind es die Lebenden, denen er die meiste Zeit widmet. Der Gute, sowohl menschlich als auch fachlich qualifizierte Bestatter ist es, der die Schleuse, deren Tor der Tod geschlossen hat, zu einer Tür werden lässt, die den Raum zur „Schwerstarbeit einer guten Trauerarbeit“ öffnen kann und durch einen geglückten Abschied mithilft, damit aus trauernden Menschen wieder fröhliche Menschen werden. Somit ist der Bestatter oftmals nicht nur Trauerhelfer sondern auch Lebenshelfer.

Er weiß, dass die Menschen, die auf seine Dienste angewiesen sind, sich in einer Ausnahmesituation befinden. Er will Ihnen helfen wo er nur kann. Und er nimmt diese Aufgabe sehr ernst, denn er weiß, dass die Gestaltung des letzten Abschieds für die Hinterbliebenen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung ihrer Trauer spielt.

Diese kompetente menschliche Unterstützung und Hilfe ist aber nicht ab Discountlager erhältlich.
Eine gut geleistete Dienstleistung gibt Zufriedenheit, aber gute Dienstleistungen haben ihren Preis.
Dies gilt um so mehr als sich vermeintliche Billig-Angebote oftmals als große Mogelpackung erweisen. Viele Selbstverständlichkeiten müssen dort, falls sie überhaupt erhältlich sind, als Extraleistung teuer bezahlt werden. Am Ende, leider ist es dann zu spät, wird man oft feststellen, dass man ebenso gut für das gleiche Geld bei einem Fachunternehmen eine höherwertige Bestattung hätte wählen können.

Es ist mir daher ein großes Anliegen mit allen Institutionen, Kirchen, Kommunen. Sozialämtern usw. die mit der Bestattung eines Menschen zu tun haben, dafür Sorge zu tragen, dass sich ein jeder auch in Zukunft eine würdige, angemessene und seinen Vorstellungen entsprechende Bestattung leisten kann.
Denn spätestens am Ende des Lebens ist Geiz nicht mehr geil.

Toni Hanrieder

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