Generationenwechsel im Vorstand des Bestatterverband Bayern e.V.
Toni Hanrieder neuer 1. Vorsitzender
Er selbst bezeichnet sich als „Bestatter als Berufung“ und gehört seit 30 Jahren dem Bestatterverband Bayern e.V. an, zu dessen 1. Vorsitzenden er jetzt einstimmig gewählt wurde. Toni Hanrieder wurde gleichzeitig zum Landesinnungsobermeister der neu gegründeten Bestatterinnung Bayern gewählt. Seit 2004 ist der Dachauer Bestattermeister bereits, Mitglied des Aufsichtsrates der Einkaufsgenossenschaft der Bestatter e.G. (EDB) mit Sitz in Kiel, die 2003 in Saarbrücken gegründet wurde. Mit der Wahl des 50jährigen fand im Landesfachverband der Bestatter ein Generationenwechsel statt. Nach zwölf Jahren zog sich der bisherige langjährige Vorsitzende Gerhard Suckfüll aus Niederlauer aus der aktiven Vorstandstätigkeit zurück und legte die Verantwortung in jüngere Hände. „Meine Devise war immer, der jüngeren Generation rechtzeitig eine Chance zu geben. Ich praktiziere dies seit Jahren im eigenen Betrieb und denke, dass auch im Verband dafür die Zeit gekommen ist. Die Nachfolger wurden schon länger eingearbeitet“, erklärt Gerhard Suckfüll. Auch seine bisherigen langjährigen Stellvertreter Otto Biber und Norbert Freudensprung kandidierten nicht mehr für eine Vorstandstätigkeit, wurden vom neugewählten Vorstand gemeinsam mit G. Suckfüll zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Neben dem 1. Vorsitzenden Toni Hanrieder gehören künftig als 2. Vorsitzender Matthias Liebler sowie als Stellvertreter Thomas Schmid, Fritz Haagn, Ralf Michal, Heinz Pusz, Ralf Kessler und Thomas Hartl dem Vorstand des Bestatterverband Bayern e.V. an.
„Das Wahlergebnis werte ich als riesigen Vertrauensbeweis meiner Person gegenüber. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut, dass mein langjähriges Engagement im und für den Verband von den Bestatterkollegen so gewürdigt wird. Mit Elan gehen wir jetzt gemeinsam neue Ziele und Herausforderungen an, die an uns als Bestatter gestellt werden“, betont der frischgebackene Verbandschef, der auf langjährige Berufs- und Gremiumserfahrung zurückgreifen kann. Seit 30 Jahren Mitglied im Landesverband, legte Hanrieder 1988 die Prüfung zum fachgeprüften Bestatter ab, 2003 die zum Bestattermeister. Bereits 1992 erfolgte die Wahl zum stellvertretenden Juniorensprecher, 1996 zum Beirat in die Gesamtvorstandschaft, 2002 die Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden. Seit einem Jahr übt der 50jährige außerdem das Vorstandsamt der Arbeitsgemeinschaft Krematorien in Deutschland aus.
Kampf für staatliche Anerkennung des Berufsbildes.
Eines der wichtigsten Ziele, für die Toni Hanrieder mit seinem neuen Vorstand kämpft, ist die staatliche Zulassung des Bestatterberufes: „Die staatliche Zulassung ist angesichts der gestiegenen hygienischen Erfordernisse in unserem Beruf, besonders im medizinischen Bereich des Infektionsschutzes bei der Verstorbenenversorgung, unabdingbar. Jeder Bestatter muss seine Qualifikation nachweisen, wenn er diese Dienstleistungen am Menschen und für die Angehörigen ausübt. Der Gewerbeschein kann nicht die einzige Voraussetzung sein. Wer sich heute für den Beruf des Bestatters entschieden hat, der hat eine der verantwortungsvollsten Aufgaben in unserem Gemeinwesen ergriffen“, betont der Fachverbandsvorsitzende mit Nachdruck. Ein Bestatter übt viele Berufe gleichzeitig aus, vom Trauerbegleiter über Berater, Verkäufer, Treuhänder des Abschiedsprozesses, Eventmanager, Gesprächspartner und Mitgestalter einer Kultur. Deshalb sei auch die fundierte Weiterbildung der Kollegen ein weiterer wichtiger Punkt der künftigen Vorstandsarbeit: Jeder Bestatter wisse um die Wertigkeit seines Berufslebens, das Image eines „Totengräbers“ entspreche nicht mehr dem Gefühl der Zeit. „Ohne profundes Fachwissen ist dieser Beruf nicht lange zu machen; und jeder Bestatter, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt und sich weitergebildet hat, der ist auch stolz auf seinen Beruf und muss sich nicht verstecken.“
Gegen Leichentourismus und anonyme Bestattung.
Deutliche Worte findet der neue Vorsitzende, wenn es um den Wandel der Bestattungskultur geht. „Allzu häufig werden Bestatter in die Ecke derer gestellt, für die das Leid anderer nichts ist als die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich sage zu Unrecht! Denn es geht schließlich immer um den Menschen – es ist schlimm, wenn der Mensch zur Ware verkommt und die Würde des Menschen am Kostenfaktor gemessen wird“, wehrt sich Toni Hanrieder gegen das Motto „Geiz ist geil“ auch bei den Letzten Dingen. Jeder qualifiziert ausgebildete und weitergebildete Bestatter sei oftmals nicht nur Trauerhelfer, sondern auch Lebenshelfer. „Ich spreche hierfür für alle bayerischen Kollegen, denn ich weiß als Bestattungsmeister im eigenen Familienbetrieb, wie viel Kraft und Einsatz dieser Beruf fordert. Ein Bestatter nimmt seine Aufgabe sehr ernst, denn er weiß, dass die Gestaltung des letzten Abschieds für die Hinterbliebenen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung ihrer Trauer spielt. Jeder Handgriff ist wichtig und prägt sich bei den Angehörigen ein. Diese kompetente menschliche Hilfe eines Fachunternehmens ist aber nicht ab Discountlager erhältlich. Eine gut geleistete Dienstleistung gibt Zufriedenheit, hat aber ihren Preis“, macht Hanrieder deutlich, der sich auch als Sprecher der Krematorien in Deutschland engagiert. Dies gelte um so mehr, als sich vermeintliche Billig-Angebote oftmals als große Mogelpackungen erwiesen, wo viele Selbstverständlichkeiten als Extraleistung teuer bezahlt werden müssten. „Wo bleibt da die innere Achtung der Würde des Verstorbenen? Wo bleibt dabei die Möglichkeit für einen liebenden Abschied der Hinterbliebenen als Anfang für einen Neubeginn?“
Geglückter Abschied erleichtert die Trauerarbeit.
„Leichentourismus“ ist ein modernes Schlagwort, bei dem es Toni Hanrieder wie seine Verbandskollegen gleichzeitig schaudert. „An die Stelle einer würdigen Einzelüberführung in einem angemessenen Bestattungswagen und Einäscherung im regionalen Lebensumfeld des Einzelnen tritt zunehmend Sargdiscount, Entsorgung in Polen und Tschechien sowie anonyme Bestattung anstelle einer Grabstätte als Ort des Gedenkens und der Erinnerung. Sterbe- und Trauerkultur ist immer auch ein Ausdruck eines Menschenbildes. Wollen wir es wirklich zulassen, die Würde des Menschen am Kostenfaktor zu messen getreu dem Motto, „wie teuer sind uns unsere Toten“? Spätestens am Ende des Lebens ist Geiz nicht mehr geil, sondern nur traurig und hinterlässt lebenslang bei den Angehörigen einen bitteren Nachgeschmack“, findet T. Hanrieder deutliche Worte aus 30 Jahren Berufserfahrung. Er plädiert stattdessen für einen ruhigen und würdevollen Abschied vom Verstorbenen, für Menschenwürde über das Grab hinaus und für einen gewissenhaften und damit geglückten Umgang mit dem Tod und dem Abschied.
